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Alles was Recht ist!

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Die Mutter habe wieder einmal sein Handy kontrolliert. Sie müsse doch wissen, mit wem er Umgang habe, er sei schliesslich noch ein Kind. Saro (16) hält die enge Kontrolle immer schlechter aus. Wenn er dann anderswo seinen eigenen Raum sucht und nicht zur festgesetzten Zeit zu Hause ist, führt das zu heftigen Auseinandersetzungen und wochenlangem Ausgangsverbot. Er möchte von uns wissen, ob das, was seine Eltern tun, erlaubt sei.

Mag sein, dass sich Saros Problem vergleichsweise harmlos anhört: Für ihn ist es keine Bagatelle. Er fühlt sich in seinen Bedürfnissen nicht ernst genommen. Er sei doch «kein Kind mehr».

Wer seine Rechte kennt, kann sich besser wehren. Eltern haben zwar das Sorgerecht, bis du 18 Jahre alt bist. So lange giltst du rechtlich als «Kind». Das bedeutet aber nicht, dass deine Eltern beliebig über dich verfügen können. Zwar sind sie für dich verantwortlich, aber das ist dir gegenüber auch eine Pflicht. Eltern müssen immer berücksichtigen, was das Beste für dich ist, und das ist oft nicht das, was sie für «Dein Bestes» halten. Du darfst mitreden, wenn es dich selbst betrifft. «Dein Bestes» ist also oft Aushandlungssache. Klar ist weiter: Einem älteren Kind müssen Eltern mehr Freiheiten lassen als einem jüngeren. Je älter du bist, desto mehr Selbstbestimmung muss dir gewährt werden.

Was sind Rechte?

Ein Recht ist etwas, was dir zusteht und was man dir nicht nehmen kann. Alle Erwachsenen und auch Kinder untereinander müssen die Kinderrechte ernst nehmen und respektieren. Rechte gehören zu dir wie warme Kleidung im Winter, die du im Sommer vielleicht in den Schrank legst. Obwohl alle diese Rechte besitzen, ist es leider nicht für alle Kinder selbstverständlich, dass sie auch eingehalten werden.

Wo findest du deine Rechte?

Die wichtigsten Kinderrechte findest du in der UNO-Konvention für Kinderrechte. In der Konvention ist auch dein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung und auf Privatsphäre festgehalten. Daneben sind Kinderrechte auch in der Bundesverfassung und in zahlreichen Gesetzen festgehalten. Hier werden die Kinderrechte gut und verständlich erklärt.

Welche Möglichkeiten haben Kinder und Jugendliche, ihre Rechte durchzusetzen?

Deine Rechte sind im Gesetz festgeschrieben. Aber auch das beste Gesetz gilt nur, wenn du es im Alltag durchsetzen kannst. Das ist manchmal gar nicht so einfach. In solchen Fällen kannst du Hilfe in Anspruch nehmen, die dir zur Durchsetzung deiner Rechte verhelfen.

Nicht immer sind die Gesetze leicht zu verstehen. Bei Fragen, Unsicherheiten oder Nöten kannst du dich deshalb an uns wenden – jugendberatung.me oder auch an die Kinderanwaltschaft.

In Saros Fall ging es nicht nur darum, dass die Eltern seinen privaten Raum nicht respektierten. Er hat auch immer wieder Gewalt erlebt, musste erst langsam lernen, darüber zu reden. In Saros Fall hat es den Abstand eines Schlupfhuusaufenthalts gebraucht, um einen Prozess in Gang zu setzen, in dem sich die Eltern öffnen konnten. Heute lebt Saro wieder zu Hause, er kann seinen Eltern gegenüber seine Bedürfnisse klarer zum Ausdruck bringen.

Das Beispiel zeigt, dass es nicht reicht, wenn Kinder ihre Rechte kennen. Auch die Eltern müssen sich mit den Kinderrechten vertraut machen und sie im Alltag anerkennen. Manchmal hilft schon ein Gespräch. Manchmal braucht es aber auch mehr Beharrlichkeit.

Kennst du deine Rechte?

Hast du auch schon Situationen erlebt, in denen du nicht gehört wurdest?

Was hätte dir in diesen Situationen geholfen?

 


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Autorin: Ilka Mathis

Sozialarbeiterin, Beratungsstelle kokon

i.mathis@kokon-zh.ch

 

 

 

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3 thoughts on “Alles was Recht ist!

  1. Die eher komplizierte angelegenheit sehr gut, konkret und jugendlichengerecht erklärt…. auch für erwachsene informativ!

  2. Der Aufruhr um das Recht eines Affen auf sein Selfie und die öffentliche Empörung um die armen Pferde von Hefenhofen oder die Schweine von Wiltshire haben ja kürzlich den Eindruck geweckt, dass vor allem Tiere endlich mehr Rechte, Würde und Schutz brauchen.
    Nichts gegen Tierrechte und wirksameren Tierschutz, wirklich nicht.
    Trotzdem fragt man sich, was denn mit den Menschenrechten der Flüchtlinge ist, die wir im Mittelmeer ertrinken lassen. Und es tut gut, dass auch wieder mal jemand auf die Kinderrechte hinweist – klar und kompetent und ohne Firlefanz.
    Merci!

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