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Eine TV-Serie über den Suizid einer Jugendlichen

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Nicht nur Netflix-UserInnen wissen unterdessen, von welcher Serie die Rede ist: ‚13 reasons why‘ (dt. „Tote Mädchen lügen nicht“), eine Verfilmung eines Bestseller-Romans von Jay Asher. Die amerikanische High-school-Serie war in den letzten Wochen in den Medien dauerpräsent. Die Hauptfigur, Gymnasiastin Hannah Baker, erzählt darin auf sieben selbst aufgenommenen Audio-Kassetten, warum sie am Ende Suizid begangen hat: 13 Gründe (bzw. Personen) hätten dazu geführt.

Gefährliches „No-Go“ oder Suizidprävention?

Die Serie ist umstritten. Befürworter loben, dass das Tabuthema Suizid bei Jugendlichen auf den ‚Tisch‘ bzw. Bildschirm gebracht werde. Gesundheitsbehörden und Fachpersonen warnen aber auch vor der Serie: Sie fürchten v.a. ein Nachahmungsphänomen. Dieses Phänomen gab es bereits lange bevor es Internet oder Streaming-Serien etc. gab. Heutige neue Medien erreichen jedoch nochmals viel mehr Menschen.

Genauso ernst zu nehmen ist allerdings auch die Tatsache, dass Tabuisierung ebenfalls zu (eventuell vermeidbaren) Suiziden oder Suizidversuchen führen kann. Über Suizidgedanken mit jemandem sprechen zu können, kann helfen. Hier setzt u.a. auch die Suizidprävention an (Flyer zu Suizid).

Gründe immer so klar?

Eine Frage, die sich in der Serie auch stellt, ist die Frage nach dem Warum? Hinterbliebene wie ZuschauerInnen sehnen sich nach Antworten – und nach Gerechtigkeit. Typisch dünkt mich bei Hannahs Auflistung die Zuspitzung bzw. Anhäufung von schwierigen oder traumatischen Erlebnissen. Aber: Gibt es bei Suizid immer den oder die „Schuldigen“? Tragen wirklich alle 13 auf dem Tape genannten Personen (dieselbe) „Schuld“? Und ist die Liste vollständig? Wird sie überhaupt jemals vollständig sein können? Und wie geht es den auf den Tapes genannten Personen damit? Zumindest einige leiden auch sehr unter Schuldgefühlen.

Bei den meisten Suiziden gibt es übrigens keine Kassettenaufnahmen – und dementsprechend viel Raum für Spekulationen, Schuldgefühle und Schuldzuweisungen.

Kein leichter Schulalltag

Die Serie beschränkt sich nicht auf das Thema Suizid. Es wird auch eindrücklich aufgezeigt, welchen Themen und Gefahren Jugendliche heute im Schulalltag ausgesetzt sind (dies eine andere Facette der Serie, die auch für Eltern informativ sein könnte): (Cyber-)Mobbing, Sexting, Liebe(s-Kummer), sexuelle Belästigungen und Vergewaltigung, Stalking, Coming out, Drogen etc.

Wie kann sich dies auswirken auf die Gefühlswelt der Jugendlichen? Jugendliche und Adoleszente sind noch auf der Suche nach ihrer Identität. Dies macht sie verletzlicher. Sie sind cool und sensibel zugleich. Hormonelle Veränderungen können ausserdem zu erhöhter Impulsivität führen. Und um über ihre Verletzungen sprechen zu können (insbesondere mit Erwachsenen), dafür fehlen den Jugendlichen oft (noch) die Worte.

Wie viel und wo zeigen?

Die letzten Folgen der 1. Staffel sind „harte Kost“: Es werden u. a. Vergewaltigungen von zwei Schülerinnen gezeigt und auch Hannahs Suizid. Ist die Darstellung dieser Szenen wirklich sinnvoll? Und so detailliert?

Sehr wertvoll finde ich den Nachspann der Serie, in welchem die Macher und SchauspielerInnen des Films erläutern, wieso sie den Film in dieser Weise produziert haben. Schade, dass dies nicht zu Beginn der Serie gezeigt wird!

Jugendlichen rate ich, die Serie zusammen mit einer erwachsenen Person (Eltern, Lehrperson etc.) anzuschauen. Begleitet im Schulunterricht – im Sinne von Prävention – kann ich mir Ausschnitte der Serie ebenfalls gut vorstellen. Für jüngere Jugendliche, von sexueller Gewalt Betroffene oder akut Suizidgefährdete erscheint mir die Serie (v. a. der Schluss) hingegen nicht geeignet.


Wie ging es DIR beim Anschauen der Serie?

Hat die Serie in deinen Handlungen (z. B. im Umgang mit deinen MitschülerInnen) etwas verändert, bewirkt?

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Afra Berg

Afra Berg

Psychologin

Jugendberatung Blinker, Schlieren

afra.berg@sd-l.ch

 

 

 

 

 


 

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